Gutes Schmerzmanagement erleichtert häusliche Pflege von Tumorpatienten

(sra) Angehörige, die Tumorpatienten zu Hause pflegen, sind enormen körperlichen und psychischen Belastungen ausgesetzt. Viele von ihnen leiden in Folge dieser Belastungen an Kopfschmerzen, Depressionen und Erschöpfung, wie die Fachzeitschrift “Der Onkologe” berichtet.

“Die Angehörigen sind 24 Stunden am Tag in Pflegebereitschaft. Häufig müssen sie mit durch Krankheit und Medikamente bedingten Persönlichkeitsveränderungen ihrer Patienten fertig werden. Darüber hinaus erleben sie täglich mit, wie ihr Vater, ihre Partnerin, ihr Kind unter starken Schmerzen leidet. Letzteres empfinden die Pflegenden meist als besonders belastend,” so Dr. Wolfgang Sohn, Arzt und Psychotherapeut. “Ein gutes Schmerzmanagement sollte zwar vor allem zufriedenstellend für den Patienten sein, also die Schmerzen verringern und seine körperliche und psychische Situation verbessern. Aber wenn möglich, sollte es darüber hinaus auch die pflegenden Angehörigen entlasten. Denn die Unterstützung durch die Familie und die Pflege in der vertrauten, häuslichen Umgebung wirken sich allgemein positiv auf die Lebensqualität und die Überlebenswahrscheinlichkeit der Tumorpatienten aus. Damit die häusliche Pflegegemeinschaft möglichst lange bestehen kann, sollte deshalb auf eine Stärkung der pflegenden Angehörigen geachtet werden ,” erklärt Sohn weiter.

Für das Schmerzmanagement zu Hause eignen sich einer kanadischen Studie zufolge opioidhaltige Schmerzpflaster: Ein Pflaster wird auf die Haut aufgeklebt und gibt dann für 72 Stunden seinen Wirkstoff Fentanyl ab. Die lange Wirkdauer entlastet Patienten und Pflegende; nächtliches Aufstehen, um Schmerzmittel zu verabreichen und zu nehmen, wird dadurch vermieden. Das bedeutet für die ganze Familie weniger unterbrochene Nächte und erholsameren Schlaf. Die Energiereserven der Patienten und der pflegenden Angehörigen werden geschont.

Da Opioide außerdem hochwirksame Schmerzmittel sind, erlauben sie auch noch im fortgeschrittenen Stadium die Pflege der Patienten in der vertrauten, häuslichen Umgebung. Laut Dr. Sohn sollte jeder, der ein Familienmitglied zu Hause pflegt, sich nicht nur gemeinsam mit dem betreuenden Arzt um ein effektives und entlastendes Schmerzmanagement kümmern. Er sollte darüber hinaus auch seine eigene psychische und körperliche Belastung ernst nehmen und Entspannung suchen, beispielsweise durch die regelmäßige Teilnahme an einer Selbsthilfegruppe.

Quellen:
Hindermann, S.; Strauß, B.: Angehörige älterer Tumorpatienten. Belastungen, Bewältigungen und soziale Unterstützung. In: Der Onkologe 2, S. 151-160, 2002.
Sohn, W.: Palliativmedizinische Betreuung im häuslichen Bereich – Schmerztherapie, psychosoziale Kommunikation und ethische Fragen. Zeitschrift für Allgemeinmedizin 74, S.962-967, 1998.
Woodroffe, M.; Hays, H: Fentanyl transdermal system. Pain management at home. Canadian Family Physician 43, S. 268-272,1997.

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