(sra) Schätzungen gehen davon aus, dass 42 Prozent aller Krebspatienten nicht ausreichend mit Schmerzmedikamenten versorgt sind. Der Grund dafür liegt häufig an der Scheu der Patienten, offen über ihre Beschwerden zu sprechen. Sie befürchten, ein unangenehmer Patient zu sein, wenn sie ihre Schmerzproblematik beim Arzt ansprechen. Einige sind auch der Meinung, die Schmerzbehandlung halte die Mediziner davon ab, noch konsequenter gegen den Krebs vorzugehen. Auch die Angst, von einem Schmerzmittel abhängig zu werden, spielt in diesem Zusammenhang eine Rolle.
An der Universität von Kalifornien wurden Tumorpatienten deshalb durch ein 20- minütiges Gesprächstraining auf den nächsten Arztbesuch vorbereitet. Für jeden Patienten wurde ein persönlicher Plan zur Schmerzbekämpfung erstellt. Die Berater fragten die Patienten, was sie von einer guten Schmerzbehandlung erwarten. Anschließend legten sie Ziele fest: Fähig zu sein, schmerzfrei an einer Familienfeierlichkeit teilzunehmen oder nachts durchschlafen zu können. Außerdem wurden gemeinsam Fragen vorbereitet, die die Patienten beim nächsten Arztbesuch stellen sollten.
In den Wochen vor und nach dem Gesprächstraining notierten die Teilnehmer täglich ihre subjektiv empfundene Schmerzstärke. Dabei zeigte sich, dass die Schmerzen durch das Gesprächstraining im Durchschnitt um 20 Prozent abgenommen hatten.
Die Ergebnisse belegen, wie wichtig es ist, dass Ärzte ihre Patienten in Entscheidungen bezüglich der Schmerzbekämpfung einbeziehen. “Ärzte sollten immer das Gespräch mit ihren Patienten suchen und sie darin unterstützen, ihre Erwartungen an das Schmerzmanagement zu formulieren, und mit ihnen alle zur Verfügung stehenden Möglichkeiten erörtern. Gerade bei Patienten, die Probleme haben, über ihre Schmerzen zu sprechen, ist das besonders wichtig. Nur so kann eine optimale Schmerzbehandlung gewährleistet sein”, meint Dr. Sohn, Arzt und Psychotherapeut aus Schwalmtal.
Quelle:
OLIVER, JW et al.: Individualized patient education and coaching to improve pain control a-mong cancer outpatients. In Journal of Clinical Oncology 19 (8): S. 2206-12, 2001.
