Viele Tumorpatienten leiden unnötig

(dgk) Etwa 220 000 Patienten in Deutschland leiden unter Tumorschmerzen. Obwohl wirksame Medikamente zur Verfügung stehen, werden nicht alle Patienten entsprechend der Empfehlungen der WHO (Weltgesundheitsorganisation) zur Therapie chronischer Schmerzen behandelt.

Das dreistufige Schema, dass die WHO 1986 zur Therapie von Tumorschmerzen veröffentlichte, sieht vor, dass der Arzt den Patienten bei leichteren Schmerzen mit Medikamenten der 1. Stufe behandelt. Zu dieser Gruppe gehören auch so genannte nichtsteroidale Antirheumatika, kurz NSAR, wie Paracetamol und Acetylsalicylsäure.

Wirken diese Präparate nicht ausreichend oder werden ihre Nebenwirkungen zu stark, sollte der Patient Medikamente der Stufe II, nämlich schwache Opioide, einnehmen. Um eine optimale Linderung zur erzielen, können Präparate der Stufe I auch mit denen der Stufe II kombiniert werden. Lindern diese Arzneimittel die Schmerzen nicht genügend, dann sollte man zügig mit starken Opioiden behandeln. “Es tut weder der Psyche des Patienten noch seinem gesundheitlichen Allgemeinzustand gut, wenn er unnötig Schmerzen ertragen muss”, so Dr. Wolfgang Sohn, Arzt und Psychotherapeut. “Die Behandlung mit starken Opioiden wird von vielen Patienten und ihren Angehörigen immer noch in Zusammenhang mit körperlichen Verfall und dem baldigen Tod gebracht. Doch diese Ängste sind unbegründet. Denn die schmerzlindernde Wirkung der Opioide bleibt selbst bei jahrelangem Gebrauch erhalten. Die Dosis muss nur erhöht werden, wenn die Grunderkrankung fortschreitet. Innere Organe werden durch die Opioideinnahme nicht geschädigt.”

Die Empfehlungen der WHO sehen neben der konsequenten medikamentösen Schmerztherapie ergänzende Maßnahmen vor. Hierzu gehört neben einer Bewegungstherapie auch die psychologische und soziale Betreuung der Betroffenen. “Gerade Tumorpatienten, deren Leben durch die Krebserkrankung auf allen Ebenen gebeutelt ist, benötigen eine ganzheitliche Schmerztherapie, damit sie handlungsfähig bleiben und sich der Krankheit nicht bedingungslos ausgeliefert fühlen.” Schon auf der Stufe I sollte deshalb, laut Dr. Sohn, mit den Begleitmaßnahmen begonnen werden.

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