Die Palliativmedizin ist in aller Munde. Doch was ist darunter zu verstehen und was kann sie leisten? Dieser Frage wollen wir in unserem Leitartikel nachgehen.
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| Quelle: dgk |
Das Wort „palliativ“ leitet sich vom lateinischen palliare ab, was soviel bedeutet wie „bedecken“. Auch die altrömische Bezeichnung für einen mantelähnlichen Umhang „Pallium“ kann mit dem Begriff in Verbindung gebracht werden. So wird auch die Bedeutung klar: Dem Leid eines sterbenskranken Menschen wird die schützende und wärmende Pflege der Palliativmedizin zuteil.
„Die Palliativmedizin widmet sich der Behandlung und Begleitung von Patienten mit einer nicht heilbaren, progredienten und weit fortgeschrittenen Erkrankung mit begrenzter Lebenserwartung. Die Palliativmedizin bejaht das Leben und sieht das Sterben als einen natürlichen Prozess. Sie lehnt aktive Sterbehilfe in jeder Form ab.“ Diese Definition der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin macht deutlich, dass es sowohl um Behandlung als auch um Begleitung geht. Beides ist dabei sehr weit gefasst. Bei der Behandlung einer unheilbaren Krankheit versuchen Ärzte auch, die Ursachen zu bekämpfen, häufig stehen jedoch die Symptome im Zentrum der Aufmerksamkeit. Vor allem Schmerzen sind für die Betroffenen eine große Belastung und können einen würdevollen Abschied vom Leben verhindern.
Schmerztherapie ist deshalb für Palliativmediziner ein wichtiger Teil des Gesamtkonzeptes aus Betreuung und Behandlung. Ein Ziel ist dabei auch, den betroffenen Patienten zu ermöglichen, zu Hause zu leben. Häufig kommen hochwirksame Opioide zum Einsatz. Eines der Standardmedikamente ist immer noch das Morphin. Es wird oral verabreicht und hat eine Wirkdauer von sechs bis acht Stunden. Zusätzlich bekommen viele Patienten noch ein schnellwirksames Morphin gegen die Schmerzspitzen. Vor allem bei Niereninsuffizienz ist Hydromorphon ein alternativer Wirkstoff. Bei einigen Patienten treten mit Hydromorphon weniger Nebenwirkungen wie Übelkeit und Erbrechen auf. Seit einigen Jahren wird auch der Wirkstoff Fentanyl in Form eines Pflaster angewendet. Das Pflaster wirkt gleichmäßig über drei Tage und wird vor allem deshalb von Patienten bevorzugt. Die Versorgung mit dem Schmerzmittel ist so auch zu Hause leicht möglich. Nebenwirkungen wie Übelkeit und Verstopfung sind beim Pflaster geringer ausgeprägt.
Ebenso wichtig wie die medizinische Behandlung ist die soziale, psychologische und spirituelle Begleitung des Patienten und seiner Angehörigen. Betroffene sind sich darüber bewusst, dass sie sterben müssen. Zwar kann man ihnen die Trauerarbeit darüber nicht abnehmen, es ist aber eine große Hilfe, wenn die Menschen wissen, dass sie sowohl von ihrem Arzt als auch vom Pflegepersonal und den Angehörigen kontinuierlich begleitet werden.
Gerade Hospize legen Wert auf den begleitenden und pflegenden Aspekt. In einigen Fällen sind sie einem Krankenhaus angegliedert, so dass die palliativmedizinische Behandlung von speziell ausgebildeten Ärzten übernommen werden kann.
In Deutschland werden Forschung und Fortbildung von der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin vorangetrieben. Zwar ist die Entwicklung der letzten 20 Jahre positiv, aber von einer flächendeckenden Versorgung ist man noch weit entfernt. Um mehr Menschen ein Leben und Sterben im eigenen Heim zu ermöglichen, fehlt es vor allem an ambulanter palliativmedizinischer Versorgung.
Quellen:
Bernatzky, Sittl, Likar (Hrsg.), Schmerzbehandlung in der Palliativmedizin, Springer-Verlag Wien New York, 2004, ISBN 3-211-83883-X
Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin e. V., www.dgpalliativmedizin.de


