Was versteht man unter einem psychogenen Schmerzsyndrom?

Ein psychogener Schmerz kann ohne jeglichen Zusammenhang mit körperlichen Abläufen entstehen. Die Empfindung ist dabei real, das heißt, der Betroffene ist kein Hypochonder oder Simulant. Die Schmerzen treten häufig im Bewegungssystem oder im bzw. am Kopf auf.
Der Arzt findet dabei keine körperliche Ursache. Prinzipiell kann jeder Mensch psychogene Schmerzen entwickeln. Allerdings bedarf es zweier spezifischer Faktoren: der Auslösesituation und einer Veranlagung durch die persönliche Lebensgeschichte (biographische Disposition). Traumatische Ereignisse in der Kindheit, bei denen Schuldgefühle mit Schmerz verknüpft werden, und eine Häufung von Verlusterlebnissen, die durch Schmerzen kompensiert werden, gehören zu dieser Disposition. Als Auslösesituation kommt dann ein psychisch belastendes Erlebnis wie beispielsweise eine Trennungssituation in Frage.

Ein psychogenes Schmerzsyndrom kann durchaus körperliche Folgen nach sich ziehen. Gerade Schmerzen im Bewegungsapparat führen schnell zu Schonhaltungen, die dann wiederum Verspannungen oder eine Verkümmerung der Muskulatur zur Folge haben. Behandlung der Wahl ist die Psychotherapie. Medikamente werden nur eingesetzt, wenn der psychotherapeutische Zugang nicht oder noch nicht möglich ist.

Literatur:
Michael Zenz, Ilmar Jurna: Lehrbuch der Schmerztherapie, Grundlagen, Theorie und Praxis für Aus- und Weiterbildung, 2. Aufl age 2001, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH Stuttgart, ISBN 3804718051, m 75,70.

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